LESERMEINUNG
(Susana Ramos Almeida)
Wissen Sie, wie viele Ferienwohnungen es in Santa Cruz de La Palma gibt?
266 Ferienwohnungen. Wissen Sie, wie viele Mietwohnungen es gibt? Eine, EINE einzige
Wohnung in der gesamten Hauptstadt. Ferienwohnungen zeigen die neue
Klassengesellschaft, sie sind die Rückkehr ins 19. Jahrhundert, sie sind das,
was dich immer reicher oder immer ärmer machen wird, sie sind der neue
Kolonialismus. Sie sind das, was Hawaii widerfahren ist, was bereits auf den
Balearen passiert ist und was schon seit geraumer Zeit hier bei uns passiert,
in jedem Winkel der Kanarischen Inseln.
So wie der Rote Palmrüssler der Feind der Palmen ist, sich in ihnen
einnistet und sie bis zum Tod krank macht, sind Ferienwohnungen die neue Plage
dieser acht Atlantikinseln. Vielleicht haben sie nicht denselben schlechten
Ruf, aber sie richten viel mehr Schaden an. Glauben Sie, ich übertreibe? Auch
wenn dies ein Meinungsbeitrag ist, möchte ich Ihnen einige Zahlen nennen.
Anfang dieses Jahres gab es auf dieser Insel 1.997 Ferienwohnungen. Fast
2.000 Häuser sind auf La Palma als Ferienwohnungen registriert. Ich wiederhole:
registriert – es könnten noch viel mehr sein.
Wissen Sie, wie viele Häuser es gibt, die für ein Jahr oder mehrere Jahre
vermietet werden (also keine Ferienvermietung)? 26 Häuser zur Miete, auf
der gesamten Insel La Palma. Sie können das selbst auf jeder beliebigen
Vermietungsplattform nachprüfen. Fast 2000 Häuser für Touristen, 26 Häuser für
die lokale Bevölkerung. Die Zahlen sprechen für sich. Ich könnte den Artikel
hier beenden.
Ich finde es richtig, dass jemand ein Haus kauft oder erbt und es als
Ferienwohnung vermietet. Ich wiederhole: ein Haus. EINES, Singular. Was weder
normal noch richtig erscheint, ist, dass es Menschen (Einzelpersonen oder
Unternehmen) gibt, die auf dieser Insel – oder auf irgendeiner anderen Insel –
45 Häuser besitzen. Es ist schlichtweg ungerecht, dass Menschen, die oft nicht
einmal auf den Kanaren leben, ein Leben in absolutem Luxus (wie im 19.
Jahrhundert) führen, indem sie uns unsere Häuser wegnehmen. Es ist
absolut unmöglich, Zugang zu dieser Art von Markt zu bekommen - dem berühmten
Wohnungsmarkt. Wir, die wir auf der Insel leben, sind dazu verdammt, am Rande
der Gesellschaft zu leben, ohne Hoffnung auf eine angemessene Mietwohnung, denn
vom Kauf wollen wir gar nicht erst reden. Wenn es einen jungen Kanarier gibt,
der gerade ein Haus gekauft hat, wissen wir alle, dass dieses Geld von seiner
Familie stammt; es ist schlicht unmöglich, mit dem Geld, das er durch Arbeit
verdient hat, momentan hier etwas zu kaufen.
Mit anderen Worten: Auf den Kanarischen Inseln gibt es viele Menschen aus
Nordeuropa, die über eine hohe Kaufkraft verfügen, um Häuser zu erwerben.
Außerdem gibt es zahlreiche (überwiegend deutsche) Immobilienfirmen, die
Landhäuser kaufen, diese renovieren und zu Ferienwohnungen umbauen. Das Geld,
das sie mit den Ferienwohnungen verdienen, fließt weder in die Taschen der
Kanarier noch in die Staatskasse Spaniens, sondern landet in den Taschen dieser
deutschen Unternehmen.
Ich möchte jedoch nicht nur die deutschen Unternehmen anprangern und die
Kanarier, die dasselbe tun, außer Acht lassen. Wenn man hier geboren ist und 45
Häuser besitzt, ist das Ergebnis dasselbe: Man spekuliert mit Wohnraum. Dieser
Artikel richtet sich auch an euch, liebe Spekulanten mit kanarischem Dialekt.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass dieser Artikel bei den
Großgrundbesitzern der Kanarischen Inseln, ob mit kanarischem Dialekt oder
ausländischem Akzent, Gewissensbisse auslösen wird, aber ich möchte die
Vertreter der Kanarier (Regierung der Kanarischen Inseln, Inselräte und
Stadtverwaltungen) dafür zur Verantwortung ziehen, dass sie bei einem so
ernsten Thema nur halbherzige Maßnahmen ergreifen, die so halbherzig sind, dass
man sie weder sieht noch spürt und die keinerlei Wirkung zeigen. Es reicht
nicht aus, alle zehn Jahre sieben Sozialwohnungen zu bauen. Man muss dem Markt
Grenzen setzen, man muss die bereits bestehenden Häuser schützen. Mir fällt
ein, dass man die Mietpreise deckeln könnte, wie es bereits in 140 Gemeinden
Kataloniens geschehen ist; man könnte Menschen, die nicht einmal auf der Insel
wohnen, den Kauf von Häusern verbieten und vor allem ausländischen Unternehmen
den Kauf von Häusern in großem Stil untersagen.
Zum Abschluss noch eine weitere Information. Wissen Sie, wie viele
Ferienwohnungen es in Santa Cruz de La Palma gibt? 266 Ferienwohnungen. Wissen
Sie, wie viele Mietwohnungen es gibt? Eine, EINE EINZIGE Wohnung in der
gesamten Hauptstadt. Die neuesten Daten des INE verzeichnen 266 Ferienwohnungen
mit einer Kapazität von 1.072 Betten. In der Wohnung, die derzeit vermietet
wird, finden maximal 4 Personen Platz, und Achtung: Es handelt sich um eine
saisonale Vermietung (keine Langzeitmiete). In der Anzeige selbst wird
klargestellt, dass beruflich versetzte Personen Vorrang haben. Kurz gesagt:
Santa Cruz de La Palma kann mehr als tausend Touristen aufnehmen, vier
Personen, die nicht von der Insel stammen – also Ärzte oder Lehrer, die
höchstens für einen Kurs hier sind – und NULL Personen, von La Palma.
Wenn
das nicht surreal ist, dann soll Gott kommen und es sich selbst ansehen.
(Anm.d.Red.:
wo sie Recht hat, hat sie Recht!)