Die
Sache mit dem Bidet
Vor mehreren 1000 Jahren gab es mal ein Volk, anfangs nur südlich der
Alpen, bei dem man, so wie bei einigen noch älteren Völkern, von
hochentwickelter Zivilisation sprechen kann. Ein vielfach durchaus löblich erwähnter
Wesenszug dieses Volksstammes war die Umgehensweise mit den eigenen Fäkalien,
respektive die allgemeine Toilettenkultur. Man kann ja über den Brauch des
Rudelkackens (inklusive Erörterns der Weltlage) in entsprechenden
Örtlichkeiten trefflich streiten - zu EINEM Punkt aber gab es offenkundig keine
2 Meinungen: Nach dem Verrichten der Notdurft wurde sich IMMER der
Ausrittsbereich des Rectums inkl. Intimbereich gewaschen!!! Über das damalige
Wie kann man ebenfalls befinden - nämlich mittels allgemein genutzter
Lappenbürste, einer heutigen Klobürste nicht unähnlich. Ob Seifen hier schon
Verwendung fanden, sei mal dahingestellt...
Auf alle Fälle war die ebenfalls schon erdachte Wasserspülung durchaus
praktisch und sehr hilfreich um die unausweichliche Geruchsbelästigung, auch
des Anus, auf ein halbwegs erträgliches Maß zu mildern.
Dieses so fortschrittliche Volk, nun, verbreitete seine Lebensart - inkl.
o.G. – mittels Feldzügen nach Kräften und eben auch nach Nordeuropa. Es
brauchte einige Zeit, bis die dortigen Stämme all die schönen, neuen Dinge, mit
denen sie plötzlich konfrontiert waren, zu würdigen wussten. Und ich habe die
Vermutung, dass, zumindest in den gehobeneren Kreisen dieser Keulenschwinger,
auch eine kultiviertere Form der Körperpflege durchaus Anerkennung fand bei der
Ausübung gewisser nicht ganz unwichtiger zwischenmenschlicher Bräuche und
Betätigungen...
Einmal mehr, wie leider immer wieder im Laufe der (?Weiter?-)Entwicklung
des Homo sapiens zu konstatieren, brachen sich für lange Zeit, gerade in
Mittel- u. Nordeuropa, dem Christentum sehr nennenswert geschuldet, u.A. wieder
Dummheit, Ignoranz und Rückschritt Bahn und vorbei war es mit den positiven und
nützlichen Errungenschaften einer Hochkultur. Man kackte wieder, oder
weiterhin, in den Wald oder auf die Gassen, kippte den Nachttopf aus dem
Fenster oder ließ es in Residenzen und Palästen im Schutz langer Kleidung
einfach unter sich. Man "reinigte" sich mit Altkleiderfetzen und in
sog. gehobenen Kreisen zusätzlich mit Puder und fein duftenden Essenzen... Na,
DAS muss eine Geruchsexplosion gewesen sein!!
Städte und Paläste müssen bestialisch gestunken haben, in diesen Zeiten,
ganz abgesehen von daraus resultierenden Seuchen und Epidemien. Das ging
tatsächlich mehrere 100 Jahre so. Im Mittelalter entstanden später immerhin
Badehäuser, in denen allerdings auch noch alles mögliche Andere veranstaltet
wurde (Zähneziehen, Haarschneiden, Rasur, kleinere chirurgische Eingriffe,
Aderlass, Schröpfen) – alles zunächst noch ganz keusch und
geschlechtergetrennt.... Diese Badehauskultur, mit ziemlichen Höhen und Tiefen,
war aber immerhin bis ungefähr in die 1970er Jahre Bestandteil des öffentlichen
Lebens, da die wenigsten Wohnungen mit Bädern ausgestattet waren, ganz zu
schweigen von bequemen Möglichkeiten einer ordentlichen Intimpflege. Eine
unmittelbare Waschung nach dem Gang auf den Abort war dementsprechend absolut
unüblich, mit sicht- u. (er)riechbaren Spuren in der Unterwäsche...
In
meiner Kindheit noch war 1x pro Woche Badehaus.
Zurück
zum Römischen Erbe:
In Ländern wie z.B. Portugal, Spanien, Italien und Frankreich entstanden
irgendwann Bidets als absolut durchgesetzter Bestandteil eines jeden
Haushaltes, die sogar zur Empfängnisverhütung benutzt wurden. (Das dürfte
allerdings weniger erfolgreich gewesen sein.) Laut einer länger
zurückliegenden Umfrage wird das Bidet in Europa in Italien am häufigsten
genutzt (97 %), gefolgt von Portugal an zweiter Stelle (92 %) und Frankreich an
dritter Stelle (42 %). Die mit Abstand geringste Verwendung findet das Bidet in
Deutschland (6 %) und Großbritannien (3 %). An diesen Zahlen hat sich mit
Sicherheit so gar nichts geändert. Da spielt wohl noch ein Rest
Keulenschwingererbe mit.
Ich gestehe, dass auch ich erst spät, aber vor immerhin nun auch schon sehr
vielen Monden, in einem formidabel renovierten Altbau, die unbestreitbaren
Vorteile dieses "Hygiene-Möbels" erfahren habe, selektiere seither
konsequent auch bei der Auswahl von potentiellen Ferienunterkünften. Im neuen
Heim, erbaut von und für Kanarios, war und ist das Bidet angenehmerweise seit
Dekaden obligatorisch.
Aufgrund der geringen Verbreitung in manchen Ländern wurden tragbare
Hand-Bidets oder nachträglich installierbare Bidetschläuche entwickelt. Aber
auch sowas konnte sich in der BRD nicht etablieren. Die Deutschen, die ich
während nun schon vieler Jahre - nicht nur hier - kennengelernt habe, gehen
sogar noch weiter in ihrer einfältigen Ablehnung für das Bidet: Sie lassen es
ausdrücklich entfernen, brüsten sich fast damit, mit Begründungen wie: „Was
soll ich denn mit so einem Quatsch?", „Das nimmt doch nur Platz weg!“,
„Sowas braucht man höchstens mal zum Sockenwaschen.", „Ich nehme
Feuchtücher, das genügt!" Sie legen gar Bretter drauf, um „etwas Praktisches
und Sinnvolles damit zu machen", z.B. Zeitungsständer oder Wäschekorb
draufstellen, wähnen sich aber am oberen Ende der Kultiviertenskala.
Man kann buchstäblich überall, wo Domizile, egal welcher Art (auch
Luxuxherbergen), zur Vermietung oder Kauf angeboten werden, allein im Bad
unschwer erkennen, woher die Bauherren stammen und wes` Geistes Kind sie sind.
UND, da ist noch ein Apekt: In die Sickergrube, oder wie man hier sagt,
"el pozo negro", sollte gar kein, oder zumindest nur sehr, sehr wenig
Papier gelangen. Auch deshalb ist die Nutzung eines Bidets fast unabdingbar.
Das jetzt auch noch zu erläutern führt zu weit. Wer also nicht an ein
öffentliches Abwassernetz angeschlossen ist, muss das unbedingt bedenken. Das
Sammeln allen fäkalienverschmierten Klopapiers in einem dafür bereitgestellten
Eimer ist jedenfalls ein ziemlich unzumutbares Unding.
Und wie war das noch gleich mit einer kultivierteren Form der Körperpflege
mit Blick auf Ausübung gewisser nicht ganz unwichtiger zwischenmenschlicher Bräuche
und Betätigungen???
Aber
nein, auch nach entsprechender Erörterung bleiben sie bei ihrer Ablehnung.
Es
ist ihnen nicht eine Sekunde lang peinlich!!!
p.s.: Es gibt da noch ein Phänomen, welches aber, nach meinen
Beobachtungen, mit der Bidetvermeidung einhergeht: Der Klodeckel ist IMMER
geöffnet, bei diesen Leuten!!! Klar, wenn der Herr des Hauses, der
selbstredend Stehpinkler ist, erst mal sein Schniedelchen rauspopeln muss, um
dann aus einiger Höhe, mit lautem Geplatsche und Gespritze in die Kloschüssel
zu brunzen, schließlich durch kräftiges Abschwabbeln die unmittelbare Umgebung
zusätzlich versaut, kann er keinesfalls vorher noch Geduld und Muse aufbringen,
den Klodeckel zu öffnen....